Sonntag, 25. September 2016

Meine Frau nennt mich einen Perversen


Hier könnt ihr die ungekürzte Fassung eines Interviews lesen, das ich vor kurzem mit dem polnischen Comic-Künstler Robert Adler geführt habe:

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Die deutsche Comic-Szene kämpfte im vergangenen Jahrzehnt um größere Akzeptanz durch höheren Anspruch. Die „Graphic Novel“ wurde erfunden – ein Format, das einerseits lehrreich war, andererseits jedoch oft verkopft und politisch überkorrekt vor sich hinstelzte.  
Einen Künstler im Nachbarland Polen kümmert diese Entwicklung überhaupt nicht. Robert Adler alias Boli hat sich auf erotische Comics spezialisiert. Und er macht sie auf eine Art und Weise, in der Comics ursprünglich mal gedacht waren: voller Spaß und Leichtigkeit. Vielleicht ist gerade das der Grund, warum Adler soziale Probleme offenlegt und Diskussionen anregt – viel mehr, als manche Graphic Novel es jemals könnte. Adler wurde von seinem deutschen Kollegen Ulrich Scheel zu heißen Comic-Babes, zum polnischen Katholizismus und zu seiner Arbeit ganz allgemein befragt. 

Ulrich Scheel: Als ich das erste Mal deine erotischen Comics sah, dachte ich: dieser Typ hat entweder gar keine Freundin oder fünf auf einmal. Also, wie sieht es aus? 

Robert Adler: Das ist eine sehr häufige Feststellung, aber auch eine falsche – wenn ich fünf Freundinnen hätte, käme ich nicht zum Essen oder Schlafen, vom Zeichnen ganz zu schweigen. Ein anderer, typischer Eindruck ist, dass ich ein einsamer, jungfräulicher Wi***** bin, der Pornos zeichnet, weil er Probleme hat... In Wirklichkeit bin ich glücklich mit meiner Jugendliebe aus der Schule verheiratet.