Mittwoch, 26. Februar 2014

Humorverbot im Schloss

Das Labyrinth im Innern des K.

In den vergangenen Jahren habe ich als Live-Zeichner bei mehreren Theaterprojekten gearbeitet. Dabei war ich zusammen mit den Schauspielern auf der Bühne und habe die Stücke kommentiert - und zwar so, wie es sich für einen Comiczeichner gehört: mit viel Ironie und Sarkasmus!

Sonst war es doch immer so lustig: Live-Zeichung aus der Kammeroper "Keyner nit".

Beim letzten Mal war jedoch alles anders: Kafkas „Schloss“ stand auf dem Programm, eine verstörende Parabel über die Vergeblichkeit der menschlichen Existenz, bei der jede Lustigkeit fehl am Platz ist. Anfangs versuchte ich es noch mit betrunkenen Postboten und zweideutigen Szenen hinterm Wirtshaustresen, aber der Regisseur Sven Holm erteilte mir Humorverbot. Wir brauchten eine neue Bildsprache, die dem Thema gerecht wird, was schwierig war, weil Kafkas Roman sehr abstrakt ist und kaum Ansätze für schnell erkennbare Bilder liefert. Außerdem wollten wir auf keinen Fall narrativ sein, das heißt, die Hauptfigur K. vermenschlichen oder das Schloss als konkrete Architektur zeigen.

K. alias der "Nullmensch" wird aus dem Schnee geboren.

Kafkas „Schloss“ gilt als autobiografisch, aber die Geschichte von K. ist universell. Sie erzählt von vergeblicher Hoffnung, Hybris und Masochismus. Ich erinnerte mich an „Ponio“, eine Figur, die ich mal für einen Comic entworfen hatte: ein kahlköpfiger Assistent, der zwar vornehm gekleidet ist, aber außer Augen keine Sinnesorgane hat, die ihn als Menschen kennzeichnen. Aus diesem stummen Befehlsvollstrecker entwickelte ich den „Nullmenschen“, eine Universalgestalt, die Schneeflocke, Tier, Zuschauer, K. und gleichzeitig Frieda (K.s Geliebte) sein konnte.

Lichtgreif und sein Assistent Ponio. Character Design für die
Graphic Novel "Pili Komashko".

Zusammen mit der Dramaturgieassistentin Ines Hu entwickelte ich Motive, in denen der „Nullmensch“ agieren und die Aufführung illustrieren konnte. Zum Beginn des Stücks gingen die Zuschauer auf die Tribüne und wurden im gleichen Moment von mir als geflügelte „Nullmotten“ gezeichnet, die eine riesige Glühlampe umschwirren. Herr K. taucht mehrmals im Stück als schwebender Körper auf – ohne Halt und Ziel, aber immer ganz stilvoll mit Krawatte und Aktenkoffer. Auch nach einer Form für das Schloss wurde lange gesucht, bis wir uns am Ende für ein organisches Gebilde entschieden, das an den Aufbau eines Gehirns erinnert. Am Ende der Aufführung erschien über der Bühne ein riesiger „Nullmenschen“-Kopf, der langsam und kaum bemerkbar Frieda Gesichtszüge erhielt. Aus dem fremdbestimmten Körper war ein Mensch geworden!

Mehr Infos zu dieser Aufführung gibt es auf meiner Webseite.

Motten ans Licht! Diese Zeichnung wurde 10x15m groß
auf das Bühnentor projiziert.
Das Schloss als absurde Gehirnkonstruktion
Ein Publikum aus "Nullmenschen"...
...und die Projektion in einen leeren Zuschauersaal,
der als Kulisse diente (Foto © Thomas Aurin).
Das Schlussbild: Die 15-minütige Verwandlung
des "Nullmenschen" in Frieda.

Freitag, 21. Februar 2014

Der Neue Fritz

Neulich, beim Aufräumen, bin ich auf diese Zeichnung gestoßen: eine Auftragsarbeit für den TAGESSPIEGEL, Anfang 2012. Das war das 300. Geburtsjahr von Friedrich dem Großen und die Zeitung machte einen Aufruf an Berliner und Brandenburger Zeichner, sich mit dem Alten Fritz zu beschäftigen. Bis dahin wusste ich nicht so genau, wer der Typ eigentlich ist. Ich kannte nur seine komischen Windspiele und die Flötennummer von Menzel.


Bei meiner Recherche entdeckte ich das Gedicht „Ein Kapitel gegen die werten Herren Blutsauger“, geschrieben von seiner Majestät daselbst. Es ist natürlich ziemlich altbacken, erinnerte mich aber verblüffend an die Occupy-Proteste der Anonymous-Bewegung. Diese hochinteressante Parallele zur Neuzeit musste ich natürlich gleich als Idee für mein Bild verwenden! Hier der Anfang des Gedichts:

O dieses gräßliche Gesindel,
Das Börsenspekulanten heißt!
Spitzbuben mit dem Diebwerksbündel,
Auswurf von eklem Höllengeist!
Es überkommt uns schon ein Schwindel,
Wenn man auf ihre Namen weist.

Später gab es in Potsdam eine Ausstellung mit allen Bildern von der TAGESSPIEGEL-Serie. Insgesamt waren es 114 Zeichnungen, und ich war umgeben von Majestäten wie Loriot, Manfred Bofinger und Gerhard Seyfried.

Mittwoch, 12. Februar 2014

Kunst in der Küche

Ein Kumpel von meiner Atelierkollegin Lola hat bei uns ein Wandbild bestellt. Wir wollen Street Art machen, aber weil es regnet, fangen wir erstmal in seiner Küche an ;-) Natürlich fließt all unser Wissen über das polnisch-deutsch-russische Verhältnis in die Bilder ein (fragt mich nicht nach den Details, das führt zu weit)! Et voila: work in progress in Warschau Wilanów: